Foto: Judith Roßner Zwei junge Männer in Bäckerkleidung mit Broten vor Ofen Foto: Judith Roßner

Burgstädt: Hilfen bei psychischer Behinderung

Für immer mehr Jugendliche bedeutet eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme eine erhebliche Herausforderung. Junge Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung tun sich besonders schwer. Diese Teilnehmenden sollen bei Don Bosco Sachsen gezielte zusätzliche Hilfen erhalten. Ziel ist es, die Abbrecherquote zu halbieren.

Veröffentlicht am 21.09.2022

Don Bosco Sachsen

Berufsausbildung für junge Menschen mit psychischer Erkrankung und Behinderung

Förderbedarf: 25.000 Euro Projekt unterstüzen

Psychische Erkrankungen und Behinderungen nehmen seit Jahren kontinuierlich zu und lassen die Gruppe der unmittelbar Betroffenen stetig größer werden. Dieser Trend zeigt sich auch bei Don Bosco Sachsen, wo junge Menschen in über 40 Berufen eine Ausbildung erhalten.

In der Regel absolvieren die Auszubildenden vor ihrer beruflichen Rehabilitation eine sogenannte Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB). Innerhalb von elf Monaten können sich die Jugendlichen in unterschiedlichen Berufsfeldern in Theorie und Praxis ausprobieren und somit herausfinden, welche Stärken sie haben, wo ihr größtes Interesse besteht, aber auch, wo sie zusätzlichen Unterstützungsbedarf haben. Ein interdisziplinäres Team steht ihnen in dieser wichtigen Phase der Weichenstellung zur Seite. Im günstigsten Fall schließt sich eine Berufsausbildung an.  

Hohe Abbrecherquote

Im Jahr 2021/2022 begannen 109 Teilnehmende eine BvB, 78 von ihnen schlossen die Maßnahme erfolgreich ab und traten anschließend eine Berufsausbildung bei Don Bosco Sachsen an. Auch wenn jeder einzelne gelungene Übergang einen individuellen Erfolg darstellt, muss man sich dennoch bewusst machen, dass in diesem Zeitraum 31 junge Menschen dieses Ziel nicht erreichten. In 50 Prozent der Fälle hatte dies medizinische Gründe. Bei der anderen Hälfte der Teilnehmenden lag es daran, dass ihre individuellen Voraussetzungen – beispielsweise fehlende persönliche Reife durch Entwicklungsdefizite – den Anforderungen einer strukturierten Berufsvorbereitung nicht entsprochen hatten.

Diese hohe Abbrecherquote zeigt sich bereits seit Längerem jährlich und ist nahezu konstant. Vor allem die selbständige Bewältigung des Lebensalltags stellt viele Jugendliche aufgrund psychischer Probleme vor unüberwindbare Hürden. Hinzu kommen kognitive Einschränkungen und Teilleistungsstörungen wie zum Beispiel Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Dyskalkulie.  

Einstieg in Berufsausbildung

Auch wenn eine Berufsvorbereitende Maßnahme eine Vorstufe zur eigentlichen Berufsausbildung ist, bedeutet bereits die Vorbereitung für zahlreiche Jugendliche immer wieder eine erhebliche Herausforderung. Viele junge Menschen sind das erste Mal weit weg von zu Hause und müssen sich in einer zunächst fremden Umgebung orientieren und integrieren, den Tag selbständig strukturieren und viele Entscheidungen eigenverantwortlich treffen. Und auch wenn die Teilnehmenden nur bedingt über einen Schulabschluss verfügen, werden nun besondere Anforderungen vor allem an das eigenständige Lernen gestellt. Das überfordert nicht wenige von ihnen. Vor allem junge Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung in Kombination mit Lernbeeinträchtigungen tun sich schwer.  

Den Verantwortlichen von Don Bosco Sachsen ist es ein wichtiges Anliegen, jeder und jedem der ihnen anvertrauten Jugendlichen eine an den individuellen Bedürfnissen orientierte Unterstützung zu geben. Die Rahmenbedingungen sollen so gestaltet sein, dass möglichst viele von ihnen eine BvB erfolgreich abschließen, um danach eine Berufsausbildung beginnen zu können. Insbesondere Teilnehmende mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung sollen auf diese Weise individueller gefördert werden.

Umgebung passt sich Bedürfnissen an

Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung ist es auf Grund ihrer veränderten Wahrnehmung oft nicht möglich, in größeren Gruppen zu lernen. Sie benötigen häufig reizarme Räume und eine individuelle (Einzel-)Betreuung. Andernfalls ziehen sie sich zurück oder zeigen Aggressionen und können so ihr eigentliches Leistungsvermögen nicht ausschöpfen. Hier setzt das Projekt “Lerncoachingplus mit Netz und doppeltem Boden“ an. In diesem agiert ein interdisziplinär aufgestelltes Team, bestehend aus Psychologinnen, Sozialpädagogen und Ausbilderinnen. Dieses ermittelt den zusätzlichen Hilfebedarf, der über die sonst übliche Unterstützung hinausgeht, und schafft Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, dass noch mehr Menschen mit psychischem Handicap eine BvB erfolgreich absolvieren können. So muss sich nicht der Mensch selbst ändern, sondern die Umgebung passt sich vielmehr seinen Bedürfnissen an. Ziel ist es, die bisherige Abbrecherquote der Berufsvorbereitung zu halbieren und eine größere Ausbildungsreife zu erlangen.

Wichtiger Beitrag zu selbstständigem Leben

In Zeiten des allgemeinen Fachkräftemangels kann und sollte es sich eine Gesellschaft nicht leisten, auf Menschen, insbesondere solche mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung, zu verzichten. Auch der erste Arbeitsmarkt benötigt diese Fachkräfte dringender denn je. Wenn es gelingt, diesem Personenkreis noch passgenauere und bedarfsgerechtere Rahmenbedingungen vorzuhalten, wird Inklusion erlebbar. Das Projekt “Lerncoachingplus mit Netz und doppeltem Boden“ von Don Bosco Sachsen soll dazu beim Start einer beruflichen Laufbahn einen wichtigen Beitrag leisten.

Die jährlich 25.000 Euro Kosten für das Projekt entstehen durch zusätzlichen Personaleinsatz incl. Fortbildung sowie Sachmittel.

Das Projekt im Überblick

Projekt: “Lerncoachingplus mit Netz und doppeltem Boden“ – Berufsausbildung für junge Menschen mit psychischer Erkrankung und Behinderung

Ziel: Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen durch individuelle Stabilisierung junger Menschen

Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischer Erkrankung oder Behinderung

Träger/Einrichtung: Don Bosco Sachsen

Einzugsgebiet der Maßnahmen: Sachsen und angrenzende Bundesländer

Zahl der betreuten jungen Menschen: 30

Zeitraum: laufende Förderung (individueller Zeitraum je Teilnehmer/in: elf Monate)

Fördersumme: 25.000 Euro

Status und Erfolge:

Reduzierung der Abbrecherquote; erfolgreicher Übergang in Berufsausbildung